"Sich die Nase zu piercen ist keine politische Aktion. Werdet
aktiv, ver-
netzt euch und übernehmt öffentliche Ämter!" Michael Moore, das US-
Multitalent (Buchautor, Filmemacher, Satiriker, eigene TV-Show und
Oscar-Preisträger) hat sich zum einflussreichsten Bush-Widersacher in
den Vereinigten Staaten gemausert. "Es wird Zeit, dass ihr eure Ärsche
hochbekommt", ruft er in seiner Show. "Ich will mich auch mal ausru-
hen." Das Publikum jubelt und lacht. "Ich meine das ernst!", setzt Moo-
re nach.
So ist
der Mann. Geradeheraus
sagt er, was er denkt. Wie bei der Os-
carverleihung Mitte März 2003, wo man den Schauspielern ans Herz ge-
legt hatte, den Krieg in Irak nicht zu erwähnen. Kaum den Oscar in der
Hand legte er los:
"Wir sind gegen diesen Krieg, George Bush! Schande
über Sie,
Mr. Bush! Ihre Zeit ist abgelaufen!" Dann überdröhnte
ihn die Musik.
Hier sein Offener Brief an den Präsidenten,
geschrieben einen Tag vor
dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak.
Die deutsche Übersetzung fand ich auf der Homepage http://thomas.wolff.net/Bush.htm
, die über dieses Schreiben hin-
aus weitere lesenswerte Kolummnen bietet. Allein das Filmposter (anklicken
und lesen) muss man gesehen haben!
Montag, 17. März 2003
George W. Bush
1600 Pennsylvania Ave.
Washington, DC
Lieber Gouverneur Bush,
heute ist also der Tag, an dem, wie Sie es nennen, die "Stunde der Wahrheit"
gekommen ist,
der Tag an dem "Frankreich und der Rest der Welt ihre Karten auf den Tisch legen
müssen".
Ich bin froh, dass dieser Tag nun endlich da ist. Denn, das muss ich Ihnen sagen,
nach 440
Tagen mit Ihren Lügen und Ihren Halbwahrheiten war ich nicht sicher, ob
ich das noch länger ausgehalten hätte.
So bin ich beruhigt zu hören, dass heute der Tag der Wahrheit gekommen
ist, denn ich möch-
te Ihnen gerne ein paar Wahrheiten mitteilen:
- Es gibt im Grunde genommen NICHT EINEN in Amerika (ausgenommen Talk-Radio-
Spinner und Fox News), der Gung-Ho-mäßig [Gung Ho ist ein Plastiksoldat,
Anm. d.
Website-Betreibers] wild darauf ist, in den Krieg zu ziehen. Vertrauen Sie
mir in die-
sem Punkt.
Gehen Sie aus dem Weißen Haus heraus in irgendeine Straße und
versuchen Sie,
fünf Leute zu finden, die leidenschaftlich gerne Iraker umbringen möchten.
SIE WERDEN SIE NICHT FINDEN!
Warum? Weil keine Iraker jemals hierher gekommen sind und einen von uns
getötet
haben. Kein Iraker hat jemals gewagt, dies zu tun.
Sie sehen, so denken wir Durchschnitts-Amerikaner: Wenn irgend jemand irgendetwas
tut, was nicht als Angriff auf unser Leben wahrgenommen wird, dann - glauben
Sie es
oder nicht - wollen wir ihn nicht töten. Lustig, wie so was läuft.
- Die Mehrheit der Amerikaner - die, die Sie niemals gewählt haben
- sind nicht auf Ihre Gehirnwäsche hereingefallen. Wir wissen, was
die wirklichen Probleme sind, die un-
ser tägliches Leben betreffen - und keines fängt mit einem I an
und hört mit einem K auf.
DAS hingegen macht uns WIRKLICH Angst:
- Zweieinhalb Millionen Menschen verloren Ihre Arbeit, seitdem Sie im
Amt sind
- die Börsenkurse sind zu einem schlechten Witz verkommen, keiner
weiß, ob die Rentenfonds in Zukunft noch existieren werden
- Benzin kostet mittlerweile fast zwei Dollar.
Diese Liste könnte noch endlos fortgesetzt werden.
Den Irak zu bombardieren, wird für keines dieser Probleme eine Lösung
bringen. Es
gibt nur eins: Sie müssen gehen, damit die Dinge sich verbessern können.
- Wie [der Talkshow-Moderator, Anm. d. Website-Betreibers] Bill Maher letzte
Woche
sagte: Wie tief sind Sie gefallen, um einen Beliebtheitswettbewerb gegen
Saddam Hus-
sein zu verlieren? Die ganze Welt ist gegen Sie, Mr. Bush. Zählen Sie
die Amerikaner
dazu.
- Der Papst hat gesagt, der Krieg sei falsch, er sei eine SÜNDE. Der
Papst!
Aber es kommt sogar noch schlimmer: Die Dixie Chicks sind nun auch gegen
Sie [Die
Dixie Chicks sind eine in den USA sehr bekannte weibliche Country Band,
die es wag-
te, sich öffentlich GEGEN Bush und seinen Angriffskrieg auszusprechen;
daraufhin ver-
brannten Bush-Anhänger Ihre Platten und CDs. Anm. d. Website-Betreibers].
Wie tief muss es noch mit Ihnen bergab gehen, bevor Sie merken, dass Sie
in diesem
Krieg eine Ein-Mann-Armee sind. Natürlich ist das ein Krieg, in dem
Sie nicht persönlich kämpfen müssen. Genauso wie damals,
als Sie sich unerlaubt von der Truppe entfern-
ten und die anderen armen Kerle ohne Sie nach Vietnam verschifft wurden.
- Von den 535 Mitgliedern des Kongresses hat nur EINER (Sen. Johnson aus
South Da-
kota) seinen Sohn oder seine Tochter beim bewaffneten Militär eingetragen.
Wenn Sie
wirklich für Amerika einstehen wollen, schicken Sie bitte sofort Ihre
Zwillingstöchter
nach Kuwait und lassen Sie sie dort Ihre chemischen Armee-Sicherheitsanzüge
tragen.
Und lassen Sie uns sehen, ob alle Mitglieder des Kongresses mit Kindern
im militär-
fähigem Alter ihre Kinder für diesen Kriegseinsatz opfern würden.
Was haben Sie gesagt? Das glauben Sie nicht?
Gut, okay, wissen Sie was - das glauben WIR auch nicht!
- Schlussendlich: Wir lieben Frankreich.
Gut, sie haben einige Dinge richtig verbockt. Ja, einige von ihnen können
sogar ver-
dammt nerven. Aber Sie haben vergessen, dass wir dieses Land [die USA] nicht
mal
als Amerika gekannt hätten, wenn es uns die Franzosen nicht gegeben
hätten. War
es nicht mit ihrer Hilfe während des Revolutionskrieges, mit der wir
gewonnen haben?
Und waren es nicht unsere größten Denker und Gründerväter
- Thomas Jefferson, Ben
Franklin etc. -, die viele Jahre in Paris verbrachten, wo sie die Konzepte
überarbeiteten
und verfeinerten, die uns zu unserer Unabhängigkeitserklärung
und unserer Verfassung
geführt haben?
War es nicht Frankreich, das uns die Freiheitsstatue geschenkt hat? War
es nicht ein
Franzose, der den Chevrolet gebaut hat, und waren es nicht ein paar französische
Brü-
der, die das Kino erfanden?
Und nun tun sie das, was nur ein guter Freund tun kann - Ihnen die Wahrheit
über
Sie, Mr. Bush, sagen, geradeheraus und ohne Umschweife.
Hören Sie auf, auf die Franzosen zu pinkeln, und danken Sie ihnen,
dass die es
endlich einmal richtig machen.
Wissen Sie, Sie hätten wirklich mehr verreisen sollen, bevor Sie Präsident
geworden
sind. Ihre Ignoranz der Welt gegenüber hat Sie nicht nur lächerlich
aussehen lassen,
sondern hat Sie auch in eine Ecke gedrängt, aus der Sie nicht wieder
herauskommen.
Hey, nehmen Sie es nicht so tragisch - jetzt kommen die
guten Neuigkeiten:
Wenn Sie diesen Krieg wirklich durchziehen, wird er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit
schnell vorbei sein, denn ich schätze, dass es nicht viele Iraker gibt,
die ihr Leben zum
Schutze Saddam Husseins lassen wollen. Nachdem Sie den Krieg gewonnen haben,
wer-
den Sie einen enormen Zuspruch in der Bevölkerung erfahren, da jeder
Gewinner liebt -
und wer möchte nicht ab und zu einen ordentlichen Arschtritt sehen (vor
allem, wenn
es ein Dritte-Welt-Arsch ist).
Also, versuchen Sie Ihr Bestes und tragen Sie diesen Sieg den ganzen Weg bis
zur Wahl
im nächsten Jahr mit sich. Natürlich ist das noch ein weiter Weg,
und so haben wir alle
noch eine lustige Zeit vor uns, während wir zugucken, wie die Wirtschaft
immer weiter
den Bach runtergeht!
Aber, Mensch, wer weiß, vielleicht finden Sie ja Osama ein paar Tage
vor den Wahlen!
Sehen Sie, SO müssen Sie denken!
Bloß nicht die Hoffnung aufgeben! Tötet Iraker - sie haben unser
Öl!!!
Hochachtungsvoll
Michael Moore
www.michaelmoore.com
Mit
freundlicher Genehmigung von Thomas und danke dafür. Zu
seiner Homepage geht es hier.